Adnan Faour
aus Damaskus, Syrien
16 Jahre

Aktuell:
Junger Syrer rappt über seine Heimat:
Artikel in der MOZ 22.03.2017 (mit freundlicher Genehmigung)

Kindheit

Gemeinsam mit meinen Eltern und vielen Freunden hatte ich eine gute Zeit vor dem Krieg. In Syrien war es schön. Ich ging zur Schule und ein hatte ein gutes Leben. Ich denke oft zurück an die Zeit vor dem Krieg.

Fluchtursache

Was willst du in einem Land machen, in dem Krieg ist? Es gibt keine Perspektive, keine Sicherheit. Ich hatte ständig Angst. Als unser Wohnhaus dann zerstört wurde, war mein Entschluss gefasst. Ich werde fliehen. Zwei Monate lang bereitete ich mich vor. Ich erkundigte mich nach Menschen, die bereits erfolgreich geflohen waren. Ich informierte mich über eventuelle Wege und Routen.

Fluchtroute

Ich entschied mich für die so genannte Balkanroute. Ich ging in den Libanon und von dort in die Türkei. Das Schlimmste war die Überquerung des Mittelmeeres im Schlauchboot. Von Griechenland nach Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich nach Deutschland. Mein Transfer ging nach Berlin, wo mein Onkel lebt. Als ich ihn nach drei Jahren wieder sah, war das eine unglaubliche Freude für mich.

Fluchterlebnisse

Ich habe einige sehr beängstigende Momente auf der Flucht erlebt. Am schlimmsten war die Fahrt mit dem Schlauchboot. Im Libanon wurden wir erst nicht über die Grenze gelassen und mussten die Nacht im überfüllten Bus verbringen. In Serbien hatten wir große Probleme, unsere Papiere zu erhalten. Wir standen sechs Stunden im kalten Regen und haben sie am Ende doch nicht bekommen. Aufgrund dieser fehlenden Papiere musste ich in Ungarn vor der Polizei fliehen und mich verstecken. Am besten hat die Durchreise durch Österreich funktioniert. An ein mögliches Aufgeben habe ich dennoch nicht gedacht, weil ich wusste, dass ich nicht wieder heimkehren kann.

Ankunft

Ich bin nach Brandenburg gekommen und lebe jetzt mit einem anderen minderjährigen Flüchtling zusammen in einer Unterkunft in Brise. Ich hatte keine konkrete Vorstellung von Deutschland, aber ich bin sehr froh, dass ich hier her gekommen bin. Eigentlich war ich von Anfang an positiv überrascht.

Angekommen?

Seit dem ich deutsch spreche und die Menschen verstehe, mich mit ihnen unterhalten kann, fühle ich mich in die Gesellschaft integriert. Ich spiele sehr gerne Fußball und habe die Möglichkeit Gitarre zu spielen. Der Musik gilt mein größtes Interesse, daher möchte ich vielleicht Sänger werden. Ich hatte schon mehrere Auftritte bei Festen, auch gemeinsam mit deutschen Freunden. Ich habe auch schon ein Praktikum im Kindergarten in Borgsdorf gemacht. Die Arbeit mit Kindern macht mir auch viel Spaß, sodass ich mir auch solche Tätigkeit für meine Zukunft vorstellen kann. Ich fühle mich in Deutschland sehr gut aufgehoben und habe viele neue Bekannte und Freunde gefunden.
Meine Eltern befinden sich momentan in der Türkei und warten auf eine Möglichkeit zur Einreise in die EU. Ich kommuniziere sehr viel über WhatsApp mit ihnen. Wir schreiben und telefonieren. In Berlin leben meine zwei Onkel, die ich regelmäßig sehe. Mein bester Freund wohnt zurzeit in Stuttgart.
In meiner Freizeit mache ich sehr gern Musik, rappe und singe in meiner Muttersprache.

Rückkehr?

Nein, nicht in dieser Situation. Wenn in Syrien wieder Frieden ist, würde ich gern zu meiner Familie zurückkehren.

Das Interview führten Julia Steinmetz und Matthäa Mollenhauer