Bari Mahmud

31 Jahre
aus Hama/ Syrien

Kindheit

Schon als Kind verspürte ich immer eine gewisse Angst. Meine Eltern haben aber versucht, uns die Angst zu nehmen. Wir mussten nachts oft das Haus verlassen, weil Soldaten kamen oder Raketen und Flugzeuge über unser Dorf flogen.

Schulzeit

Meine Eltern ließen mich oft monatelang nicht zur Schule gehen, weil sie Angst um mich hatten.

Weggehen?

Wir hatten schon gehört, dass viele Menschen auf der Flucht Qualen erleiden mussten oder gestorben waren. Uns hat auch abgeschreckt, dass wir in einigen Ländern nicht willkommen waren. Aber eines Nachts war die Angst zu groß. Wieder waren die Soldaten unterwegs. Wären wir länger geblieben, würden wir wohl nicht mehr leben.

Flucht

In der Türkei wurden wir wie Tiere behandelt. Es gab Zeiten, an denen einige aus dem Lager aufgeben wollten und randalierten. Wir haben uns nicht mehr wie Menschen gefühlt. Dabei wollten wir doch nur Mensch sein, niemandem etwas Böses antun. Ich sah auf dem Weg auch viele traurige Gesichter und auch schlimmere Geschichten, als die meine. Ich bin zum Glück nicht ganz alleine geflüchtet.

Ankunft in Deutschland

An die erste Station kann ich mich kaum noch erinnern. Ich hatte einfach nur Angst, von meiner Familie getrennt zu werden. Viele meiner Freunde meinten, in Deutschland sei es am besten, da man dort akzeptiert wird wie man ist. Leider habe ich das nicht immer so erlebt.

Angekommen?

Ich wurde nach einigen Wochen und Monaten sehr gut aufgenommen und fühle mich wohl hier. Hier ist meine neue Heimat. Ich möchte arbeiten. Momentan ist mir egal, was oder wie. Ich möchte eine Zukunftsperspektive für mich und meinen Bruder. Ich bin froh, dass wir in derselben Aufnahmestelle leben dürfen, denn wir haben keinen Kontakt mehr zur Familie.

Erinnerung an die Heimat

Ich denke sehr oft zurück. Es gab einige Erlebnisse, die ich nicht vergessen kann. Meine gesamte Kindheit verbindet mich mit dem Ort. Ich informiere mich beinahe täglich, ob dort etwas passiert ist.

Rückkehr?

Eine Rückkehr wäre für mich nur schwer vorstellbar. Ich möchte mir hier eine Zukunft aufbauen. Aber meine Herkunft kann mir keiner nehmen.
Flucht 2014
Interview geführt von Jeremy Freiberg