Sajida Altaia
Nähe Damaskus, Syrien
20 Jahre

Kindheit

Ich bin in einer kleinen Stadt in der Nähe von Damaskus in Syrien aufgewachsen. Dort haben meine Mutter, meine drei älteren Schwestern, meine zwei Brüder und ich zusammen in einem Haus gewohnt. Mein Vater ist vor langer Zeit gestorben.

Schulzeit und Ausbildung

Ich bin in Syrien zur Schule gegangen und habe dann Ingenieurwesen studiert. Nach einigen Wochen musste ich mein Studium jedoch wegen der Flucht abbrechen.

Krieg

Als unsere Stadt zur Gefahrenzone wurde, haben wir beschlossen, zu fliehen. Mein großer Bruder war bereits vor uns nach Deutschland geflohen, das hat mir ein wenig von meiner Angst genommen. Ich habe nur einen Koffer mit meinen wichtigsten Sachen gepackt, hauptsächlich Papiere und Kindheitserinnerungen.

Flucht und Trennung

In der Türkei haben wir zehn Monate gelebt und gearbeitet. Weil unser Visumantrag abgelehnt wurde, haben wir Geld gespart, um illegal mit dem Boot nach Deutschland zu kommen. Auf unserem Weg nach Deutschland wurden wir getrennt. Als erstes sind meine Schwester und mein Neffe gegangen, dann meine andere Schwester und ich und als letztes meine dritte Schwester und meine Mutter. Sie hatte zuvor unsere Besitztümer an meine Schwester geschickt, die als erste geflohen war, dadurch haben wir nicht allzu viel verloren. Ich habe mir große Sorgen um meine Familie gemacht, weil wir die ersten Monate gar keinen Kontakt hatten.

Ankunft in Deutschland

Ich bin zuerst in eine sehr große Unterkunft in Berlin gekommen. Dort war es sehr überfüllt, mit dreckigen Zimmern und sehr unordentlich. Die zweite Unterkunft war viel besser, kleiner und mit weniger Geflüchteten. Ich fühle mich in Deutschland wohl und meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich habe einen tollen Job an der Universität, an der ich auch studiere. Ich wohne bei einer netten deutschen Familie.

Zukunft

Trotz alledem ist Syrien meine Heimat und wird es auch immer bleiben. Ich will auf jeden Fall zurückgehen. Zwar mache ich mir große Sorgen, dass die politische Lage dann noch genauso kritisch oder noch schlimmer ist. Aber ich fühle mich verantwortlich dafür, mein Land wieder aufzubauen.

Das Interview führte Matthäa Mollenhauer