Simaf Mohamed
aus Aleppo, Syrien
18 Jahre

Kindheit

Simaf Mohamed Wir, das sind meine 4 Geschwister und ich, hatten eine gute Kindheit. Mein Vater war Architekt und meine Mutter Ingenieurin. Sie hatten ein eigenes Büro. Vor dem Krieg war Syrien ein schönes Land. Wir hatten unsere Zukunft in den Händen.

Fluchtursache

Das änderte sich am 7. Mai 2015. Meine Mutter Hayat, meine vierzehnjährige und sechsjährige Schwester kamen bei einem Bombenangriff ums Leben. Sie waren bei der Nachbarin und sahen den Angriff auf unser Haus. Meine ältere Schwester rannte hinüber, um ihr Handy zu holen. Meine Mutter und die kleine Narvin wollten sie zurückholen, doch da traf sie schon die Bombe. Narvin brannte am ganzen Körper, Mama und Heva waren sofort tot. Einige Tage später erlag auch unsere kleine Schwester den schweren Verwundungen. Unser Bruder Majed, genauso wie meine Schwester Zinab und ich waren in der Schule. Mein Vater war auf der Arbeit. Somit wurden wir verschont, aber unser Leben war kaputt. Ich kann es einfach nicht begreifen. Fünf Minuten vorher habe ich noch mit Mama telefoniert. Wir haben uns immer verabschiedet, denn wir wussten ja nicht, ob wir zurückkommen. Das ist im Krieg so. Niemand weiß, was am nächsten Tag, in der nächsten Stunde sein wird. Für uns war klar, dass es jetzt nicht mehr sicher war. Das Haus war zerstört, wir hatten nichts mehr. Zinab steckte gerade in den Abiturprüfungen und Vater verlangte, dass sie diese zu Ende bringt. Trotz des schweren Schicksalsschlages hat sie es geschafft. Auch unsere Mutter hätte es gewollt. Bildung wurde in unserer Familie immer groß geschrieben. Aber Zukunft? Eine Zukunft gab es nicht mehr.

Fluchtroute

Als erstes flohen wir in ein Dorf zum Freund meines Vaters. Eine Perspektive hatten wir jedoch nicht. Also beschloss mein Vater uns wegzuschicken. Wir sollten unser Leben in die Hand nehmen und dort hingehen, wo wir eine Zukunft haben und in Sicherheit sind. Vater hatte schon mehrfach in Deutschland gearbeitet, daher wurde es unser Ziel. Unser jüngerer Bruder blieb bei ihm in Syrien. Ein Freund der Familie begleitete uns über die Balkanroute. 24 Tage dauerte es über die Türkei nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich, letztendlich nach Passau, Freiberg und Eisenhüttenstadt zu kommen. Am 5. September kamen wir in Kremmen an.

Fluchterlebnisse

Wir standen viele Ängste aus, aber die Überfahrt nach Samos in Griechenland war besonders schlimm. 37 Personen in einem Boot, das nur für sieben Personen ausgelegt ist. Fünf Stunden dauerte die Fahrt. Mitten auf dem Meer wurde der Motor für eine Stunde ausgestellt, da er völlig überlastet war. Ich hatte solche Todesangst. An der ungarischen Grenze trafen wir auf Menschen, die angeblich einen sicheren Fluchtweg kannten. Sie ließen sich für diese Information gut bezahlen. Natürlich vertrauten wir ihnen. Das Ergebnis war, dass wir von der Polizei aufgegriffen wurden und unser Geld weg war.

Ankunft

In Kremmen wurden wir freundlich aufgenommen. Im Oktober 2015 konnten wir schon einen Deutschkurs besuchen und ich bin inzwischen Gastschülerin am OSZ in Hennigsdorf. Meine Schwester Zinab hofft, dass ihr Abitur anerkannt wird. Da sie noch nicht volljährig war, sollten wir getrennt werden. Wir sind sehr froh, dass es uns mit viel Hilfe von Paten und Freunden gelungen ist, dies abzuwenden. Inzwischen haben wir in Kremmen eine kleine eigene Wohnung und fühlen uns hier sehr wohl. Wir wollen beide Medizin studieren. Unsere Mama hätte sich auch gefreut. Sie wollte immer, dass wir aus unserem Leben etwas machen. Jeden Abend telefonieren wir mit unserem Vater und wir wünschen uns, dass er uns einmal besuchen kann.